Bauweise: Worin unterscheiden sich die beiden Stapler?
Beide Fahrzeuge zählen zu den Flurförderzeugen mit Fahrersitz oder Fahrerstand, sie heben und transportieren Lasten auf Paletten. Die Bauweise ist aber grundverschieden und bestimmt, wo welcher Stapler sinnvoll ist.
Beim Frontstapler sitzt der Hubmast fest an der Vorderseite des Fahrzeugs. Die Last hängt vor der Vorderachse, am Heck sitzt ein schweres Gegengewicht, das den Stapler im Gleichgewicht hält. Frontstapler gibt es mit Elektro-, Diesel- oder Treibgasantrieb, meist mit drei oder vier Rädern.
Beim Schubmaststapler sitzt der Mast zwischen zwei Radarmen, die weit nach vorn reichen. Die Gabel samt Mast fährt aus dem Fahrzeug heraus nach vorn, nimmt die Palette auf und zieht sie wieder zurück. Dadurch liegt die Last beim Fahren innerhalb der Radarme, also innerhalb der Standfläche. Schubmaststapler sind fast immer elektrisch angetrieben und werden sitzend oder mit seitlich angeordnetem Sitz gefahren.
Wie sich die Last auf die Standsicherheit auswirkt, erklärt unser Beitrag zum Tragfähigkeitsdiagramm. Die Grundidee ist bei beiden Bauarten dieselbe: Je weiter die Last vom Fahrzeug entfernt ist, desto geringer ist die zulässige Tragfähigkeit.
Wo wird welcher Stapler eingesetzt?
Einsatzgebiete des Frontstaplers
Der Frontstapler ist der klassische Allrounder. Er fährt auf Hofflächen, im Außenlager, auf Rampen und in Hallen, dort vor allem in der Verladung. Mit größeren Rädern und entsprechender Bereifung bewältigt er auch unebene Flächen. Typische Branchen sind Baustoffhandel, Logistik, Produktion, Getränkehandel und Recycling.
Einsatzgebiete des Schubmaststaplers
Der Schubmaststapler ist der Spezialist für das Hochregal. Er benötigt in den Lagergassen deutlich weniger Platz, weil er zum Einlagern nicht gedreht werden muss. Er arbeitet überwiegend in Hallen auf ebenem Boden, etwa in Distributionszentren, Lagern des Großhandels und Produktionslagern. Im Freien und auf unebenem Untergrund ist er in der Regel nicht die richtige Wahl.
Vor- und Nachteile im Überblick
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen. Konkrete Werte hängen immer vom einzelnen Fahrzeugmodell ab, deshalb sind es Richtwerte zur Orientierung.
| Merkmal | Frontstapler | Schubmaststapler |
|---|---|---|
| Antrieb | Elektro, Diesel, Treibgas | überwiegend elektrisch |
| Einsatzort | innen und außen | überwiegend in Hallen |
| Platzbedarf in der Gasse | größer, Wenden nötig | geringer, schmale Gassen möglich |
| Hubhöhe | mittlere Höhen | auch große Höhen im Hochregal |
| Untergrund | auch unebene Flächen | ebener Hallenboden |
| Bedienung | vertraut, ähnlich einem Fahrzeug | anspruchsvoller, Mastbewegung und Sicht |
| Typische Stärke | Vielseitigkeit, Verladung | Raumausnutzung im Lager |
Der größte Vorteil des Frontstaplers ist seine Vielseitigkeit, sein Nachteil der höhere Platzbedarf. Beim Schubmaststapler ist es umgekehrt: Er nutzt den Lagerraum sehr gut aus, ist dafür aber auf passende Böden und Hallen angewiesen.
Fahrverhalten und Sicherheit
Das unterschiedliche Fahrverhalten ist der Grund, warum die Ausbildung beide Bauarten getrennt behandelt. Beim Frontstapler lenken die Hinterräder. Das Heck schwenkt deshalb in Kurven weit aus, und die Last wird beim Rangieren nach außen getragen. Wichtig sind angepasste Geschwindigkeit, die Last tief tragen und Gabel leicht nach hinten geneigt.
Beim Schubmaststapler fahren Sie mit eingefahrenem Mast und abgesenkter Last. Erst vor dem Regal fahren Sie den Mast aus. In ausgefahrener Stellung ist die Standsicherheit deutlich geringer, daher darf der Stapler dann nicht mit angehobener Last verfahren werden. Hinzu kommt, dass Sie bei großen Hubhöhen durch die Gabelträger und Mastteile hindurch auf die Palette blicken müssen. Das verlangt Übung und Konzentration.
- Last beim Fahren immer tief und mastseitig eingefahren tragen.
- Regalgassen und Fahrwege frei halten und Personen im Fahrbereich beachten.
- Tragfähigkeit laut Typenschild und Lastdiagramm nie überschreiten.
- Vor der Fahrt eine Sichtkontrolle und einen Funktionstest durchführen.
Weitere Grundregeln finden Sie in unserem Beitrag zu den Sicherheitsregeln für Gabelstapler.
Welcher Schein ist für welchen Stapler nötig?
Grundlage ist bei beiden Fahrzeugen die Ausbildung nach DGUV Vorschrift 68 und DGUV Grundsatz 308-001. Sie bekommen den Staplerschein (Stufe 1) mit Theorie, Praxis und Prüfung. Er berechtigt zum Fahren des klassischen Frontstaplers.
Für den Schubmaststapler ist eine zusätzliche, fahrzeugspezifische Ausbildung sinnvoll und in der Praxis üblich, die Stufe 2. Näheres zu den Stufen lesen Sie im Beitrag zu Stufe 1, 2 und 3. Hier die Eckdaten bei Staplerschule1:
- Stufe 1, Staplerschein: 149 € Komplettpreis mit Online-Theorie, Praxistag in Frankfurt am Main, Prüfung, Zertifikat, Fahrausweis und Sicherheitsschuhen.
- Stufe 1 plus Stufe 2 Schubmaststapler: auf Anfrage am selben Praxistag, 199 € gesamt inklusive des Stufe-1-Staplerscheins.
Alle Informationen zur Zusatzausbildung finden Sie auf der Seite Stufe 2 für Flurförderzeuge. Wenn Sie zunächst den Grundschein erwerben möchten, starten Sie unter Staplerschein.
Schriftliche Beauftragung nicht vergessen
Unabhängig von der Bauart gilt: Der Fahrausweis allein genügt nicht. Der Unternehmer muss Sie schriftlich mit dem Führen des jeweiligen Staplers beauftragen. Wer im Betrieb sowohl Front- als auch Schubmaststapler fährt, sollte sich beide Fahrzeugtypen in der Beauftragung aufführen lassen. Dazu kommt die jährliche Unterweisung, die der Arbeitgeber sicherstellen muss. Sie ist online möglich und dauert etwa zwei Stunden, mehr dazu unter jährliche Unterweisung.
Welcher Stapler passt zu Ihrem Ziel?
Wenn Sie überwiegend im Außenbereich, an Rampen oder in gemischten Einsatzbereichen arbeiten, ist der Frontstapler die richtige Wahl. Wer ins Hochregallager möchte, profitiert von der Stufe 2 für den Schubmaststapler, denn dort sind die Ausbildung und Erfahrung für diese Bauart gefragt. Fragen Sie im Zweifel beim künftigen Arbeitgeber nach, welche Fahrzeuge im Betrieb im Einsatz sind, und lassen Sie sich die Ausbildung darauf abstimmen.
Typische Fehler und Praxistipps
Im Alltag passieren die meisten Zwischenfälle nicht wegen der Technik, sondern wegen Routine und Zeitdruck. Beim Frontstapler sind es häufig zu hohe Geschwindigkeit in Kurven, angehobene Lasten beim Fahren und der Blick zur Seite statt in Fahrtrichtung. Beim Schubmaststapler entstehen Probleme meist beim Ein- und Auslagern, wenn die Palette nicht mittig aufgenommen wird oder das Regalfach nicht frei ist.
- Fahren Sie bei eingeschränkter Sicht rückwärts, wenn die Last die Sicht nach vorn versperrt.
- Nehmen Sie Paletten immer mittig und vollständig auf, die Gabelzinken müssen weit genug unter der Last stehen.
- Prüfen Sie vor dem Einlagern, ob das Regalfach frei und die Palette in gutem Zustand ist.
- Melden Sie Mängel am Fahrzeug sofort und fahren Sie nicht weiter, wenn Bremsen oder Lenkung auffällig sind.
Wer beide Bauarten kennt, gewinnt im Berufsleben an Flexibilität. Viele Betriebe setzen beide Fahrzeuge ein, etwa einen Frontstapler an der Rampe und einen Schubmaststapler im Hochregal. Eine breite Ausbildung erhöht daher die Einsatzmöglichkeiten, ohne dass Sie Zusagen über Stellen erwarten sollten. Einen Überblick über typische Einsatzfelder bietet unser Beitrag zu den Berufen mit Staplerschein.
Wenn Sie unsicher sind, welche Ausbildung zu Ihrem Vorhaben passt, schreiben Sie uns über die Seite Kontakt. Wir beraten Sie zur Stufe 2 und zum Ablauf des Praxistags.